Harnsediment

Version: 2, gültig ab: 07.05.2026
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Abarbeitung
Montag - Freitag
Indikation

Diagnostik von Nierenerkrankungen:

  • Glomerulonephritis, interstitielle Nephritis, akutes Nierenversagen.

Diagnostik von Harnwegsinfektionen (HWI):

  • Nachweis von Leukozyten, Bakterien und Epithelzellen bei Verdacht auf Infektionen der Blase oder der Nieren.

Abklärung von Hämaturie:

  • Differenzierung zwischen glomerulärer und nicht-glomerulärer Ursache der Blutung.

Abklärung von Proteinurie:

  • Nachweis von Zylindern, die auf eine renale Ursache hinweisen können.

Diagnostik bei metabolischen Erkrankungen:

  • Erkennung von Kristallurie bei Gicht (Harnsäurekristalle) oder Oxalatnephropathie.

Verlaufs- und Therapiekontrolle:

  • Überwachung von Patienten mit bekannten Nierenerkrankungen oder Harnwegsinfektionen.
Klinische Information

Das Harnsediment ist eine mikroskopische Untersuchung des Urins, bei der feste Bestandteile (z. B. Zellen, Kristalle, Zylinder) nach Zentrifugation des Urins analysiert werden. Es liefert wichtige Hinweise auf Erkrankungen des Harntrakts und der Nieren.

Bestandteile des Harnsediments können sein:

  • Zellen: Erythrozyten, Leukozyten, Epithelzellen.
  • Zylinder: Hyaline, granuläre, erythrozytäre, leukozytäre, oder wachsartige Zylinder.
  • Kristalle: Harnsäure, Oxalat, Phosphate.
  • Mikroorganismen: Bakterien, Pilze, Parasiten.
  • Sonstige Bestandteile: Lipide, Spermien, Schleim.

Interpretation der Ergebnisse:

  1. Zellen im Harnsediment:
  • Erythrozyten: Dysmorphe Erythrozyten (geformte, veränderte Zellen): Hinweis auf eine glomeruläre Schädigung (z. B. Glomerulonephritis). Normale Erythrozyten: Häufig bei urologischen Ursachen (z. B. Tumoren, Steine, Verletzungen).
  • Leukozyten: Erhöht bei Infektionen (HWI, Pyelonephritis) oder entzündlichen Erkrankungen (z. B. interstitielle Nephritis).
  • Epithelzellen: Plattenepithelzellen: Hinweis auf Kontamination (z. B. bei unsauberer Probengewinnung). Tubulusepithelzellen: Hinweis auf tubuläre Schädigungen (z. B. akute Tubulusnekrose, interstitielle Nephritis).
  1. Zylinder im Harnsediment:
  • Hyaline Zylinder: Unspezifisch, können auch bei Dehydratation oder Fieber auftreten.
  • Granuläre Zylinder: Hinweis auf Nierenschädigung (z. B. akute Tubulusnekrose, chronische Nierenerkrankung).
  • Erythrozytäre Zylinder: Pathognomonisch für glomeruläre Erkrankungen (z. B. Glomerulonephritis).
  • Leukozytäre Zylinder: Hinweis auf entzündliche Prozesse, z. B. Pyelonephritis oder interstitielle Nephritis.
  • Wachsartige Zylinder: Zeichen einer schweren chronischen Nierenerkrankung oder fortgeschrittenen Niereninsuffizienz.
  1. Kristalle im Harnsediment:
  • Harnsäurekristalle: Häufig bei Gicht oder hohem Zellumsatz (z. B. Tumorlysesyndrom).
  • Kalziumoxalatkristalle: Hinweis auf Hyperoxalurie, Hyperkalzurie oder Ethylenglykolvergiftung.
  1. Mikroorganismen:
  • Bakterien: Hinweis auf Infektion, häufig kombiniert mit Leukozyturie. Differenzierung über Urinkultur erforderlich.
  • Pilze: Typischerweise Candida spp., häufig bei Immunsuppression.
Methode
Mikroskopie-Analysegerät
Präanalytik

Nur saubere, gut gespülte Gefäße zur Urinsammlung verwenden. Zur Vermeidung einer Kontamination durch die urethrale Normalflora wird für beide Geschlechter die Verwendung von Mittelstrahlurin empfohlen. Bei Frauen können Scheidensekret oder Menstruationsblut den Urin verunreinigen.

Primäres Proben­material
  • Spontanharn
Probenstabilität
bei nicht zutreffend → 2 Stunden
Tarife
Privattarif 7.27 EUR
Kassenrefundierung ist möglich